Dynamisches Analysesystem Alterssicherung (AsA D 1) - Simulationsbasierte Wirkungsanalyse der Alterssicherung im Mehr-Säulen-System

Projektleiter Dr. Martin Grub

Das Ziel des Projektes besteht darin, Umverteilung und Anreize einer 'modernen' Alterssicherungspolitik im Simulationsexperiment verstehen zu lernen. 'Moderne Alterssicherungspolitik' meint dabei einen sozial-, versicherungs- und steuerpolitischen Instrumentenmix, der neben Obligatoria auf Anreize zur freiwilligen Verhaltenssteuerung setzt, um Sicherungsziele zu erreichen.
Dazu entwickelt das Fraunhofer Institut für Angewandte Informationstechnik in einem ersten Schritt ein stochastisch dynamisches Lebenszyklusmodell, AsAd1. Aus der Mikroperspektive des einzelnen Versicherten in seinem spezifischen Haushaltskontext sucht es, optimale Versicherungsstrategien zu bestimmen. Mit den Instrumenten Sozialversicherungspflicht des Erwerbseinkommens, privater Ersparnis in liquidem Kapital, Ersparnis in Altersvorsorgekapital nach AVmG, in Betriebsrenten und/oder Immobilien berechnet das Modell eine (erwartungsnutzen-)optimale Anpassung an eine komplexe Umwelt mehrdimensionaler Unsicherheit. Drei Innovationen stehen im Mittelpunkt des Projekts:
Mit AsAd1 entsteht ein Instrument, das eine detaillierte Institutionenmodellierung des deutschen Einkommenssteuer- und Alterssicherungssystems in ein stochastisch dynamisches Entscheidungsmodell in rationalen Erwartungen über den Lebenszyklus integriert. Die weitgehende Parallelentwicklung eher akademisch orientierter Gleichgewichtsmodelle auf der einen und eher praktisch orientierter Mikrosimulationsmodelle auf der anderen Seite konnte so ein Stück enger verzahnt werden. Erste Anwendungen von AsAd1 im Bereich der Besteuerungsreform der Altersvorsorge lassen erwarten, dass auf diese Weise neue spannende Erkenntnisse über Verhaltensreaktionen institutioneller Detailreformen zu gewinnen sind.
Zweitens ist AsAd1 im Unterschied zum Gros existierender Gleichgewichtsmodelle so konstruiert, dass sukzessive Reformpfade und sich überlagernde Übergangsregelungen konsistent in Simulationsexperimenten analysiert werden können. Diesen Weg weiter zu entwickeln ist insbesondere für die Alterssicherungspolitik bedeutsam. Aufgrund langer Planungshorizonte sowie der Grundforderung von Vertrauensschutz und Verlässlichkeit sind Übergangspfade in kleinen Anpassungsschritten eher die Regel als die Ausnahme. Die Modellrechnungen mit in AsAd1 zur sukzessiven Einführung einer nachgelagerten Besteuerung zeigen zudem, dass solch Übergangspfade mitunter zu komplexeren Umverteilungsmustern führen als der unmittelbare Übergang zur angestrebten Neuregelung. Der mit AsAd1 beschrittene Weg mag daher dazu führen, dass Gleichgewichtsanalysen der Alterssicherung ein Stück weit realitätsnäher werden.

Schließlich geht mit AsAd1 der Versuch einher, ein ökonomisch und numerisch anspruchsvolles Analyseinstrument in einer modernen Softwareumgebung anwendungsfreundlich umzusetzen. Die Offenlegung und Dokumentation des gesamten Quellcodes ein Maß an Transparenz mit sich, das bei vergleichbaren Modellen seines gleichen sucht.