Verhaltensökonomische Wirkung der Besteuerung von Altersvorsorgeprodukten auf das individuelle Sparverhalten

Professor Dr. Kay Blaufus und Michael Milde (beide Leibniz Universität Hannover)

In Deutschland werden Rentenzahlungen der deutschen Rentenversicherung, Riester- und Rürup-Rente nachgelagert besteuert. Eine Anlagealternative, die vorgelagert besteuert wird, d.h. bei der die Sparbeiträge aus dem Nettoeinkommen geleistet werden, die Kapitalerträge und die Renten aber steuerfrei sind, gibt es in Deutschland zurzeit nicht. Andere Länder bieten explizit beide Besteuerungsalternativen an und lassen die Steuerpflichtigen selbst entscheiden, welche Variante sie wählen. Hier setzt unsere erste Forschungsfrage an. Es soll untersucht werden, ob sich die Einführung einer Wahlmöglichkeit zwischen vor- und nachgelagerten Altersvorsorgeprodukten lohnt. Wir vermuten, dass das zusätzliche Angebot zu einer höheren Sparrate führt, da die Möglichkeit eine Auswahl zu haben, die Attraktivität der Ersparnisbildung erhöhen könnte, wenn die Individuen unterschiedliche Präferenzen für die beiden Alternativen haben. Zudem könnten bestimmte Entscheidungsheuristiken das Rentenniveau positiv beeinflussen, wenn man Individuen zwei Besteuerungsalternativen anstatt nur einer anbietet. Allerdings könnte die erhöhte Entscheidungskomplexität einen negativen Effekt auf die Sparrate haben.

Die zweite Forschungsfrage des Projekts beschäftigt sich mit dem zeitlichen Zusammenhang zwischen der Sparentscheidung und den steuerlichen Konsequenzen. Eine mögliche Reformoption wäre es, dass die Steuerpflichtigen zum Zeitpunkt der Erstellung ihrer Steuererklärung die Möglichkeit bekommen, nochmal einen Sparbeitrag in ihren Altersvorsorgevertrag zu leisten, und zwar mit steuerlicher Wirkung für das vergangene Jahr (das Jahr, für das sie gerade die Steuererklärung anfertigen). Dies würde die Sichtbarkeit der Steuerwirkung von Sparbeiträgen erhöhen. Wenn Steuerpflichtige eine Steuernachzahlung erwarten, könnten sie diese durch Sparbeiträge in nachgelagert besteuerte Produkte reduzieren. Wenn Steuerpflichtige eine Steuererstattung erwarten, könnte die erwartete Liquiditätszufuhr die Sparneigung positiv beeinflussen.