Forschungsnetzwerk Alterssicherung (FNA)

Das FNA ist für die Rentenversicherung wissenschaftliche Ressource und Förderinstrument der Alterssicherungsforschung zugleich. Die Rentenversicherung fördert mit dem FNA die Forschung im Bereich der Alterssicherung und schafft damit wissenschaftlich fundierte Grundlagen für die eigene Arbeit, für Wissenschaft und Politik und für die allgemeine Öffentlichkeit. Das FNA hat die Aufgabe, Fragen zur Alterssicherung mit Relevanz für die Gesetzliche Rentenversicherung aufzugreifen und durch Förderung der Forschung zu deren Beantwortung beizutragen. Ziel ist dabei für eine fundierte und systematische Analyse von Fragen zur Alterssicherung zu sorgen, um die Basis für eine rationale Alterssicherungspolitik zu verbessern. Insgesamt fördert das FNA die Forschung zur Alterssicherung mit zahlreichen Instrumenten, die von der Finanzierung von Forschungsprojekten über die Vergabe von Förderstipendien und die Austragung von Workshops und Tagungen bis hin zu der jährlichen Verleihung eines Forschungspreises reichen.

Aktuelles

Neue Publikation: Sozialpolitik mit Mehrwert – das Engagement der Rentenversicherung im Wohnungsbau und die GAGFAH von 1918 bis 2004

Dr. Felix Wilke (FNA) zeichnet durch eine historische Analyse das langjährige Engagement der Rentenversicherung im Wohnungsbau nach. Er zeigt auf, dass die Träger der Rentenversicherung seit ihrer Gründung 1889 umfangreiche finanzielle Mittel ihres Kapitalstocks in den gemeinnützigen Wohnungsbau investierten, verbunden mit dem sozialpolitischen Ziel, gesunde und preiswerte Wohnungen für die Versichertengemeinschaft zu schaffen. Eine besondere Rolle spielte hierbei die 1918 gegründete und lange Zeit im Besitz der Angestelltenversicherung befindliche GAGFAH.

Den in der DRV 4/2019 erschienen Aufsatz können Sie hier herunterladen: [Downloadlink]

FNA-Jahrestagung 2020 "Alterssicherung und Wohnen" am 30. und 31. Januar in Berlin

Wohnen hat als sozialpolitisches Handlungsfeld erheblich an Bedeutung gewonnen. Dabei geht es nicht nur um die Frage, ob stark steigende Preise für Wohneigentum und Miete bestehende Einkommensungleichheiten verstärken und neue soziale Unsicherheiten oder Armutsprobleme erzeugen. Es stellen sich darüber hinaus grundsätzliche Fragen, etwa zur politischen Steuerung der Wohnraumversorgung, nach sozialräumlichen Disparitäten, nach den sozialpolitischen Folgeproblemen hoher Wohnkosten oder sogar zum sozialen Verpflichtungscharakter von Wohneigentum. Bei näherer Betrachtung fällt auf, dass es zwischen Alterssicherung und Wohnen zahlreiche Wechselwirkungen gibt – etwa, wenn es um die Rolle von Wohneigentum als Instrument der Altersvorsorge geht oder wenn der gewohnte Lebensstandard im Alter durch steigende Wohnkosten gefährdet ist. Bislang hat der Zusammenhang zwischen Wohnen und Alterssicherung wenig Beachtung gefunden. Im Zuge der FNA-Jahrestagung soll er deshalb systematisch aufgearbeitet und in seinen verschiedenen Facetten betrachtet werden.
Im Rahmen der Tagung wird es darum gehen, näher zu beleuchten, welche Rolle Wohnen als ein Instrument der Alterssicherung spielt(e). Weiter ...

Abendveranstaltung zum Abschluss des FNA-Projekts "Wer bezieht Grundsicherung im Alter? - Eine empirische Analyse der Nichtinanspruchnahme" am 09.12.2019 in Berlin
Eine sozialpolitische Diskussionsveranstaltung des FNA

Pressemeldung zum Projektbericht:

Das Altersarmutsrisiko heute und insbesondere seine künftige Entwicklung sind wichtige Themen in gesellschaftlichen Debatten und der rentenpolitischen Diskussion. Eine aktuelle vom Forschungsnetzwerk Alterssicherung (FNA) der Deutschen Rentenversicherung Bund geförderte Studie erweitert diese Debatte, indem Sie die sog. verdeckte Armut in den Blick nimmt. Die Autoren des DIW Berlin Hermann Buslei, Dr. Johannes Geyer, Prof. Dr. Peter Haan und Michelle Harnisch zeichnen ein differenziertes Bild von den Menschen im Rentenalter, die zwar die Anspruchsvoraussetzungen für den Bezug der Grundsicherung erfüllen, aber dennoch keine Leistungen beziehen.

Die Studie basiert auf Auswertungen des Sozio-oekonomischen Panels (SOEP) für die Jahre 2010-2015. Auf Basis der Einkommensangaben von Haushalten ermitteln die Forscher zunächst mithilfe eines komplexen Simulationsmodells  welche Haushalte prinzipiell einen Anspruch auf Grundsicherungsleistungen im Alter haben. Im nächsten Schritt wurden diesen Simulationen die Angaben im SOEP zum tatsächlichen Leistungsbezug gegenübergestellt.

Die Autoren kommen zu dem Ergebnis, dass die Nichtinanspruchnahme besonders bei Personen verbreitet ist, die einen vergleichsweise geringen Leistungsanspruch haben. Die Studie verweist darüber hinaus darauf, dass bestimmte gesellschaftliche Gruppen trotz Rechtsanspruch seltener die Grundsicherung beantragen. Dazu gehören: Verwitwete, ältere Menschen ab 76 Jahren, Personen mit Wohneigentum sowie generell Personen aus den alten Bundesländern. Würden alle nach dem Simulationsmodell berechtigten Haushalte ihren Grundsicherungsanspruch wahrnehmen, so ergäbe sich für den Untersuchungszeitraum eine fiktive Grundsicherungsquote von durchschnittlich 7,4%, statt tatsächlich ausgewiesenen Quote von 2,8% für den Zeitraum 2010-2015. Ein weiteres Ergebnis ist, dass die Quote der Nichtinanspruchnahme bei Haushalten, die eine gesetzliche Rente beziehen, mit 59% deutlich niedriger ist als bei Haushalten, in denen kein Anspruch auf eine gesetzliche Rente besteht (77%).

Die Studie liefert einen wichtigen Beitrag dazu, ein sozialpolitisch bisher wenig beachtetes Feld zu beleuchten. Sie zeigt deutlich, dass der Leistungsbezug in den Grundsicherungssystemen in Hinblick auf das Ausmaß von Bedürftigkeit in der Gesellschaft nicht das komplette Bild zeigt.  Um jedoch aus den Studienergebnissen eindeutige sozialpolitische Schlussfolgerungen ziehen zu können, müssten vorab die Beweggründe für den Verzicht auf existenzsichernde Leistungen sorgfältig untersucht werden. Auf Basis der vorliegenden Daten lassen sich hierzu jedoch keine eindeutigen Aussagen treffen.

Der Bericht zur Studie ist im FNA-Journal 4/2019 veröffentlicht: Downloadlink

Fachdialog: "Geschlechtergerechte Reformen in der Alterssicherung" am 29.11.2019 in Berlin
Eine gemeinsam von dem Deutschen Juristinnenbund (djb) und dem Forschungsnetzwerk Alterssicherung (FNA) der Deutschen Rentenversicherung Bund organisierte Veranstaltung

Beschreibung:
Die intensive Diskussion über eine Grundrente zeigt den Handlungsbedarf für eine ausgewogene und existenzsichernde Altersversorgung für alle Menschen in Deutschland. Von einer solchen Grundrente sollen vor allem auch Frauen profitieren. Die diskutierten Vorschläge für eine Grundrente werfen allerdings nicht nur rechtliche Probleme auf, sondern können zudem als Instrument zur Vermeidung von Altersarmut bzw. zur Anerkennung der Lebensleistung wenig überzeugen. So richtig die Diskussion um eine angemessene und ausreichende Alterssicherung gerade für Frauen ist, verstellt der Fokus auf die verschiedenen Vorschläge für die Grundrente auch in der Fachöffentlichkeit den Blick auf andere Gestaltungsoptionen für eine geschlechtergerechte Alterssicherung.

Programm und Vorträge

Neue Publikation: Erwerbsverläufe von Frauen und Männern mit niedrigen Versichertenrenten

Prof. Dr. Martin Brussig, Lina Zink, Dominik Postels (Institut Arbeit und Qualifikation, Universität Duisburg-Essen): „Erwerbsverläufe von Frauen und Männern mit niedrigen Versichertenrenten“

Für die sozialpolitische Diskussion um die Leistungsfähigkeit der gesetzlichen Rentenversicherung ist es von erheblicher Bedeutung, ob niedrige Renten etwa aufgrund von fehlenden Versicherungszeiten, langen Erwerbsunterbrechungen, langjähriger Teilzeittätigkeit oder aufgrund langjähriger Vollzeittätigkeit im Niedriglohnbereich entstanden sind. Vor diesem Hintergrund untersuchte das vom FNA geförderte Forschungsprojekt die Erwerbs- und Versicherungsverläufe von Niedrigrentenbezieherinnen und -beziehern mit einer langen Versicherungsdauer (mindestens 30 Jahre an rentenrechtlichen Zeiten) und ging der Frage nach, wodurch deren Erwerbsverläufe gekennzeichnet sind. Besonderes Gewicht liegt auf einer differenzierten Betrachtung der drei für den Rentenanspruch maßgeblichen Komponenten „Stundenlohn“, „Versicherungsdauer“ und „Arbeitszeit“.

Die Forschungsergebnisse sind als Monografie mit dem Titel "Erwerbsverläufe von Frauen und Männern mit niedrigen Versichertenrenten" erschienen. Weitere Informationen erhalten Sie auf der Website des Verlages Duncker und Humblot.

Neue Publikation: Grundsicherung im Alter und bei Erwerbsminderung: ein statistisches Kompendium

Dr. Bruno Kaltenborn hat von 2013 bis 2018 in mehreren Projekten verschiedenste Aspekte zur Entwicklung der Grundsicherung im Alter und bei Erwerbsminderung untersucht. In der kürzlich erschienenen DRV Schrift „Grundsicherung im Alter und bei Erwerbsminderung: ein statistisches Kompendium“ hat er die Ergebnisse seiner Arbeiten aktualisiert und zusammengeführt. Damit gibt es nun eine grundlegende statistische Übersicht, die wesentliche Informationen zur Grundsicherung wegen Alters und Erwerbsminderung in gebündelter Form bereitstellt, so z.B. zur Altersstruktur der Empfänger*innen, der Höhe und Verteilung der Bedarfe usw. sowie mit der Projektion der Weiterentwicklung der Grundsicherung wegen Alters bis 2030 auch einen kleinen Blick in die Zukunft wagt. Die DRV Schrift können Sie hier herunterladen: Downloadlink

Neue Publikation: Rente im Dritten Reich. Die Reichsversicherungsanstalt für Angestellt 1933-1945

Prof. Dr. Paul Erker, Prof. Dr. Dierk Hoffmann: "Alterssicherungssystem und Reichsversicherungsanstalt in der "Volksgemeinschaft" – Die Geschichte der Rentenversicherung in der NS-Zeit

Die Ergenbisse des vom FNA geförderten Projekt "Alterssicherungssystem und Reichsversicherungsanstalt in der "Volksgemeinschaft" – Die Geschichte der Rentenversicherung in der NS-Zeit." sind als Monografie mit dem Titel "Rente im Dritten Reich. Die Reichsversicherungsanstalt für Angestellt 1933-1945" erschienen und als Open Access Publikation beim Verlag DeGruyter Oldenburg verfügbar.