Deutsche Rentenversicherung

"Stabilität und Wandel der Legitimation der deutschen Alterssicherung"

Oliver Platt/Dr. Julia Simonson/Dr. Laura Romeu Gordo (alle DZA)

Projektlaufzeit: 2026-2027

Zum Projekt

Vor dem Hintergrund des demografischen Wandels, wachsender sozialer Ungleichheiten, finanzpolitischen Belastungen und aufgeheizten Reformdebatten werden politische Entscheidungen im Bereich der Alterssicherung unter einem hohen Druck gefällt. Davon sind alle Akteur*innen der Rentenpolitik direkt betroffen. Damit politische Entscheidungen, Strukturreformen oder etwa Kommunikationsstrategien nicht nur technisch funktionieren, sondern auch gesellschaftlich Anklang finden, sind empirische Einblicke in die subjektiven Präferenzen und Bewertungen der Bürger*innen unabdingbar.

Das Forschungsvorhaben untersucht deshalb die individuelle Herausbildung und Veränderung von Präferenzen und Bewertungen des deutschen Alterssicherungssystems im Zeitverlauf. Ausgangspunkt ist die Annahme, dass die soziale Legitimation der Alterssicherung aus einem Zusammenspiel von Präferenzen und Bewertungen entsteht, die auf unterschiedlichen Gerechtigkeitsvorstellungen beruhen. Diese werden als typische Profile modelliert, die sich zwischen Individuen unterscheiden und sich intraindividuell über die Zeit verändern oder stabil bleiben können. Im Zentrum steht die Analyse von Übergängen zwischen diesen Profilen sowie ihrer wechselseitigen Beziehungen.

So können wir beispielsweise Auskunft darüber geben, welche Paradigmen der Alterssicherung (etwa Egalität, Statussicherung, private Vorsorge, Solidarität) in den letzten Jahren präferiert wurden und zu welchen Zeitpunkten sie mit einer positiven oder negativen Bewertung des Äquivalenzprinzips einhergehen.

Im zweiten Schritt werden Veränderungen im beruflichen Status, Kontakte mit dem Rentensystem (z. B. Übergang in den Ruhestand oder Nutzung privater und betrieblicher Vorsorge) sowie die Zugehörigkeit zu bestimmten Berufsbranchen als zentrale Einflussfaktoren auf die subjektive Herausbildung von Präferenzen und Bewertungen betrachtet. Das Projekt leistet damit einen Beitrag zum Verständnis der sozialen Legitimation der gesetzlichen Rentenversicherung, indem es zeigt, wie individuelle Erwerbsverläufe und Systemkontakte die Wahrnehmung und Bewertung der Alterssicherung prägen.