Deutsche Rentenversicherung

"Linked Lives, Lasting Effects: Financial Security after Widowhood in the Netherlands and Germany"

Clara Overweg (Humboldt-Universität zu Berlin), Carla Rowold und William Fernandez (beide Hertie School)

Projektlaufzeit: 2026-2028

Zum Projekt

Das Projekt untersucht die Entwicklung von Haushaltseinkommen beim Übergang zur Verwitwung am Beispiel von Frauen über 60 Jahren, deren Ehepartner verstirbt. Im Mittelpunkt steht ein Vergleich zwischen Deutschland und den Niederlanden, der unterschiedliche institutionelle Logiken der Alterssicherung gegenüberstellt: das deutsche System mit erwerbsorientierter gesetzlicher Rente und partnerabgeleiteten Hinterbliebenenleistungen einerseits sowie das niederländische System mit einer universellen Grundrente und ohne gesetzliche Hinterbliebenenversorgung, aber mit weiter verbreiteten betrieblichen Hinterbliebenenleistungen, andererseits. In unsere Analyse werden alle drei Säulen der Alterssicherung mit einbezogen.

Erwerbsverläufe heutiger Rentnerinnen in beiden Ländern sind ähnlich stark durch das männliche Alleinverdiener- und Zuverdienermodell geprägt. Durch diese Ähnlichkeit können Unterschiede darin, wie Rentensysteme Erwerbsverläufe in Rentenansprüche übersetzen, besonders gut sichtbar gemacht werden.

Der direkte Bezug zur deutschen Rentenversicherung ergibt sich auf zwei Ebenen. Zum einen ist eine umfassende Analyse der finanziellen Lage verwitweter Frauen in Deutschland geplant, in der in der Hauptanalyse nach Paar-Einkommenskonstellationen, in Zusatzanalysen nach weiteren Merkmalen unterschieden wird. Zum anderen ergibt sich die Relevanz aus dem höheren Stellenwert der kapitalgedeckten betrieblichen Altersvorsorge im niederländischen System. Dieser ermöglicht Rückschlüsse auf mögliche Auswirkungen einer stärkeren Gewichtung der zweiten Säule in Deutschland.

Methodisch erfolgt eine Heterogenitätsanalyse nach Paar-Einkommenskonstellationen (Alleinverdiener-, Zuverdiener- und Doppelverdienerpaare). Dies geht über bisherige Studien hinaus, die häufig auf Durchschnitts- oder Medianwerte beschränkt sind, und ermöglicht präzise Aussagen darüber, welche Gruppen verwitweter Frauen unter verschiedenen institutionellen Bedingungen besonders gut oder schlecht abgesichert sind. Die Ergebnisse liefern damit evidenzbasierte Grundlagen für die rentenpolitische Diskussion in Deutschland.